Meine Speakergeschichte

Ich konnte sprechen, bevor ich laufen konnte. Und ziemlich schnell habe ich verstanden: Wenn man sich gut ausdrücken kann, ist es gar nicht so entscheidend, wohin man selbst geht – man kann andere bitten, einen dorthin zu tragen. Ein praktisches Konzept. Leider nicht besonders tragfähig.

Irgendwann habe ich dann doch gelernt zu laufen. Aber die Faszination für das gesprochene Wort ist geblieben – und sie hat mich nie wieder losgelassen.

Nur eine Sache stand mir lange im Weg: Ich habe keine „schöne“ Singstimme. Und genau das hat mich verunsichert. Denn ich habe Sprache geliebt – ihre Kraft, ihre Nähe, ihre Fähigkeit, Menschen zu verbinden, ohne sie zu berühren. Lange Zeit glaubte ich, das ginge nur mit einer Stimme, die klingt wie ein Lied.

Trotzdem habe ich jede Gelegenheit genutzt, meine Stimme auszuprobieren: im Radio, auf Bühnen, in unzähligen Vorträgen. Immer ein Stück weiter, immer ein Stück ehrlicher.

Bis ich mit 41 verstanden habe: Mir fehlt nichts. Ich muss nicht singen, um etwas zu sagen. Ich kann Geschichten erzählen, Gedanken lebendig machen und inneres Erleben in Worte fassen – direkt, klar, unverstellt. Vielleicht liegt genau darin mein eigentlicher Zugang zur Bühne.

Ich bin verliebt in das gesprochene Wort. In seine Kraft. In seine Wirkung. In das, was passiert, wenn Menschen einander wirklich zuhören.